Profis üben den Notfall

08.03.2018

Die Notfallteams des Stauferklinikums absolvierten ein umfassendes Schockraumtraining. Um den Ernstfall zu proben, wurden moderne Patientensimulatoren eingesetzt. "Mit dem Training wollen wir selbstkritisch unsere Arbeitsabläufe unter die Lupe nehmen“, berichtet der Leitende Arzt des Zentrums für Intensivmedizin Dr. Hans-Jörg Lorenz.

Schockraumtrainingzoom

Das Stauferklinikum stellte sich am Wochenende der Herausforderung, sämtliche Abläufe im sogenannten „Schockraum“ der Klinik zu überprüfen. In den Schockraum kommen Patienten, die, meist nach Unfällen, lebensbedrohlich verletzt sind. Hier sind schnelles Eingreifen und die Mitarbeit verschiedener Fachdisziplinen gefragt.

„Selbstverständlich haben wir in der Behandlung von Schwerverletzten Routine. Das ist unsere tägliche Aufgabe“, so der Leitende Arzt des Zentrums des für Intensivmedizin Dr. Hans-Jörg Lorenz. „Dennoch wollen wir selbstkritisch unsere Arbeitsabläufe unter die Lupe nehmen.“

Für das Training wurde eigens das Patientensicherheits- und Simulationszentrum (tüpass) der Universität Tübingen engagiert, das ein hochprofessionelles Schockraumtraining durchführte. Mit computergestützten Patientensimulatoren stellte das Tübinger Team klinisch relevante Notfallsituationen wirklichkeitsgetreu nach. Die Szenarien mit denen die Mutlanger Teams konfrontiert wurden waren vielfältig: Eine schwere Hirnblutung und Knochenbrüche nach einem Motorradunfall, lebensgefährliche Milz- und Leberblutungen nach einem Autounfall, ein Leitersturz aus mehreren Metern Höhe, ein Stromschlag mit Herzstillstand sowie ein Herzinfarkt bei Auffahrunfall mit Verletzungen des Brustkorps und der Lunge. Dadurch konnte das Notfall-Management in der realen Umgebung des Schockraums mit den technischen und räumlichen Gegebenheiten des Stauferklinikums geübt werden.

Beteiligt waren die Ärzte und Pflegefachkräfte aus den Bereichen Intensivmedizin, Unfallchirurgie, Anästhesie, Allgemeinchirurgie und der Zentralen Notaufnahme. In der Trainingssituation behandelten die Teams, die wie im Alltag aus sech bis sieben Mitgliedern bestanden, ihren Patienten am Simulator. Teilnehmer der anderen Teams und Zuschauer aus Medizin und Pflege konnten das Szenario über eine Live-Übertragung in einen Vortragsraum am Bildschirm verfolgen. Die Viedeoaufzeichnung und das Li-vestreaming wurden von der Firma MK-Veranstaltungstechnik aus Welzheim umgesetzt. Im Anschluss erfolgte eine videogestützte Nachbesprechung durch die medizin-didaktisch geschulten Profis des tüpass.

Schockraumtrainingzoom

In Deutschland sterben jedes Jahr zwischen 30.000 und 50.000 Menschen an Fehlern in der Medizin. Ursache hierfür ist in den meisten Fällen nicht mangelndes medizinisches Fachwissen, sondern die so genannten "Menschlichen Faktoren". Dazu gehören unter anderem Kommunikation, Koordination und ein gutes Ressourcenmanagement.

„Diesen Zahlen können auch wir uns nicht entziehen. Deshalb haben wir ein Training für alle Fachdisziplinen angesetzt, um für Extremsituationen in unserem Versorgungsgebiet bestens gerüstet zu sein“, so der Leitende Arzt Dr. Andreas Plott. Plott ist Unfallchirurg und hat täglich mit sogenannten Traumata, also Unfallverletzungen mit mehrfachen Todesrisiken, zu tun.

Es gibt kaum eine schwierigere Situation im Krankenhaus als wenn Notarzt und Rettungsdienst einen Schwerverletzten in die Klinik bringen, der im Schockraum versorgt werden muss. Die Herausforderung: Schwer verletzte Patienten haben oft mehrere Verletzungen gleichzeitig. Entsprechend kann es mehrere lebensbedrohliche Störungen geben, die auf den ersten Blick nicht immer ersichtlich sind. Oft verbleibt eine diagnostische Unsicherheit, ob sofort operiert werden muss oder der Patient erst auf der Intensivstation stabilisiert werden kann.

Im Notfall am Wichtigsten; Die Kommunikation. Zwar helfen hierbei Behandlungsleitlinien, die im Schockraum zum Standardrepertoire gehören, die spezifische Situation trotz Zeitdruck effizient und situationsgerecht zu bewältigen. In Stresssituationen können sie jedoch zur grauen Theorie verblassen.
Der Leitende Pfleger der Zentralen Notfallaufnahme Ronny Miehe: „Nach anfänglicher Skepsis, beim Arbeiten gefilmt und beobachtet zu werden, sind meine Kollegen und ich absolut begeistert. Die Fortbildung hat gezeigt, wie wichtig es ist, diese Situationen zu üben und die unterschiedlichen Blickwinkel auf den Patienten zu beachten.“

Dr. Hans-Jörg Lorenz fasst es so zusammen: „Allein hohe medizinische Fachkenntnis reicht in der komplexen Arbeitswelt des Schockraums nicht mehr aus. Menschliche Fehler sind in der frühen klinischen Akutphase die Hauptursache für kritische Situationen. Meist ist es nicht die individuelle Fehlentscheidung, sondern eine Verkettung von Umständen, die sich nachteilig auf den Verlauf auswirkt. Gute Kommunikation, Situationsbewusstsein, Teamwork, Führung, Organisation und Entscheidungsfindung sind gefragt.“

Das Tübinger Patientensicherheits- und Simulationszentrum tüpass wurde 1997 an der Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin in Tübingen gegründet und aufgebaut. Als interdisziplinäres Simulations- und Forschungszentrum widmet es sich schwerpunktmäßig der systematischen Erhöhung der Patientensicherheit in allen Bereichen der Medizin. Seit seiner Gründung hat sich das tüpass mittlerweile zu einem international renommierten Zentrum für Patientensicherheit entwickelt.

 
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