Ersthelfer rettet 55-Jährigem das Leben

21.12.2017

Wie wichtig es ist, dass Ersthelfer am Unfallort mit der Wiederbelebung beginnen, zeigt der Einsatz von Marcel Bartenbach. Durch sein mutiges Einschreiten verhindert er bei einem 55-Jährigen das Schlimmste. DRK und Stauferklinikum bekräftigen das Projekt „Lebensretter“.

Necati Altunkilic (Bildmitte) mit seinem Lebensretter Marcel Bartenbach (2.v.r.). Über die gelungene Reanimation freuen sich Dr. Hans-Jörg Lorenz, Leitender Arzt am Stauferklinikum und Mitinitiator der Aktion „1.000 Lebensretter für Schwäbisch Gmünd“ (links), Notärztin Dr. Marion Haller (2.v.l.) und DRK-Mitarbeiterin Sophie Kopp, Organisatorin des Lebensretterprojekts. zoom
Necati Altunkilic (Bildmitte) mit seinem Lebensretter Marcel Bartenbach (2.v.r.). Über die gelungene Reanimation freuen sich Dr. Hans-Jörg Lorenz, Leitender Arzt am Stauferklinikum und Mitinitiator der Aktion „1.000 Lebensretter für Schwäbisch Gmünd“ (links), Notärztin Dr. Marion Haller (2.v.l.) und DRK-Mitarbeiterin Sophie Kopp, Organisatorin des Lebensretterprojekts.

Es ist ein Vorfall wie er in Deutschland leider noch zu häufig passiert: In der Buchstraße in Schwäbisch Gmünd erleidet der 55-jährige Necati Altunkilic einen Herzstillstand. Auf offener Straße sinkt er bewusstlos zu Boden. Schnell versammeln sich Passanten um den Verunglückten und bringen ihn in die stabile Seitenlage. Es wird auch ein Notruf abgesetzt. Doch niemand beginnt mit Wiederbelebungsmaßnahmen.

Nur dank des mutigen Einsatzes von Marcel Bartenbach wird verhindert, dass Necati Altunkilic schwere gesundheitliche Schäden davonträgt oder den Infarkt gar mit seinem Leben bezahlt. Der 24-Jährige beginnt sofort mit einer Herzdruckmassage. Diese übt er aus, bis nach sieben Minuten der Rettungsdienst eintrifft. Nach weiteren zwei Minuten ist der Notarzt vor Ort. Necati Altunkilic wird ins Stauferklinikum gebracht und überlebt. In den nächsten Tagen kann er die Klinik gesund verlassen.

Marcel Bartenbach erinnert sich noch gut an den Vorfall: „Ich bin mit einem Bekannten im Auto durch die Buchstraße gefahren. Auf Höhe Norma sahen wir, dass ein Mann am Boden lag. Es standen auch schon mehrere Personen um den Verunglückten herum. Wir sind zuerst weitergefahren, haben aber dann doch umgedreht, weil wir sehr beunruhigt waren. Als ich bei dem Mann keinen Puls gefühlt habe, habe ich sofort mit der Reanimation begonnen“.

Zum Glück, wie sich später herausstellt. Denn ohne sein mutiges Eingreifen wäre der Herzstillstand für Necati Altunkilic nicht ohne bleibende Schäden, vielleicht sogar tödlich ausgegangen.

„Großen Respekt“, zollte deshalb Dr. Hans-Jörg Lorenz, Leitender Arzt des Zentrums für Intensivmedizin am Stauferklinikum dem Lebensretter. „Wir brauchen dringend mehr Ersthelfer wie Sie“. In der Tat hinkt Deutschland im europaweiten Vergleich bei den Ersthelfern hinterher. Wie Dr. Lorenz darlegt, wird im europäischen Ausland vier Mal häufiger mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen als hierzulande. Das traurige Resultat: Wenn eine Wiederbelebung notwendig ist, liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit in Deutschland gerade einmal 10 bei Prozent. Zum Vergleich: Im europäischen Ausland können dagegen gut 40 Prozent der Verunglückten wiederbelebt werden. Lorenz fordert deshalb: „Wir müssen es hinbekommen, dass in Deutschland Wiederbelebungsmaßnahmen verpflichtend in den Schulen gelehrt werden. Ein Kurs für jeden Schüler und zwei Auffrischungsstunden pro Jahr sind sicher nicht zu viel, wenn man bedenkt, was auf dem Spiel steht“. Wenn es nach dem Intensivmediziner geht, könnten die Schulen bereits auf freiwilliger Basis mit der Ersthelferausbildung beginnen. Vorbild ist dabei Dänemark, in dem sich die Überlebensrate seit Einführung verpflichtender Schulungsmaßnahmen verdreifacht hat.

Tobias Gerhardts, Leiter des Rettungsdienstes vom Roten Kreuz Schwäbisch Gmünd bekräftigt dies: „Der Rettungsdienst ist hier in der Region sehr gut aufgestellt, dennoch sind wir auf die Mithilfe von Ersthelfern angewiesen. Dass die Hilfskräfte innerhalb von nur neun Minuten da waren ist zwar erfreulich, in diesem Fall war es jedoch ein großes Glück für Herrn Altunkilic, dass bereits vor Ort mit der Wiederbelebung begonnen wurde.“
Tatsächlich setzt bei einem Herzstillstand bereits nach drei Minuten die Hirnfunktion aus. Nach insgesamt nur sieben Minuten nimmt das Hirn irreparable Schäden.

Lorenz und Gerhardts bekräftigen deshalb die Aktion „Lebensretter“, die derzeit gemeinsam von DRK und Stauferklinikum durchgeführt wird. Rund 500 Bürgerinnen und Bürger konnten bereits zu Ersthelfern ausgebildet werden. Die Aktion läuft noch bis Mitte nächsten Jahres. „Ziel ist es, mindestens 1.000 Ersthelfer für die Gmünder Region zu gewinnen“, so die für das Projekt beim Roten Kreuz Verantwortliche Sophie Kopp.

Gestern haben sich Marcel Bartenbach und Necati Altunkilic zum ersten Mal nach dem Unfall persönlich kennengelernt. Beim gemeinsamen Gespräch im Stauferklinikum zeigt sich Altunkilic sichtlich gerührt: „Vielen Dank dass Du mir das Leben gerettet hast“. Die beiden werden auch weiterhin in Kontakt bleiben. Telefonnummern werden ausgetauscht. Necati Altunkilic Einladung ihn zu Hause zu besuchen lässt nicht lange auf sich warten. Seinem Retter ist er unglaublich dankbar, denn im Gespräch mit den behandelnden Ärzten und den Mitarbeitern des DRK wird nochmals klar, dass er ohne den beherzten Einsatz von Marcel Bartenbach nicht so gesund im Stuhl sitzen könnte.

Auch Dr. Marion Haller lobt den Einsatz von Marcel Bartenbach. Sie ist Mitglied der Sektion Notfallmedizin sowie ärztliche Verantwortliche des Rettungsdienstes und war als Notärztin vor Ort: „Normalerweise übernimmt der Rettungsdienst die Reanimation sobald er am Unfallort eintritt. Marcel Bartenbach hat das aber so gut gemacht, dass die Kollegen ihn weiter reanimieren ließen und sich selbst um die Beatmung kümmern konnten. Durch sein tatkräftiges Handeln mussten wir den Defibrillator nur noch zwei Mal ansetzen um das Herz wieder zum Schlagen zu bringen.“

Necati Altunkilic geht es zwei Wochen nach dem Vorfall wieder sehr gut. Die Klinik wird er voraussichtlich noch in dieser Woche verlassen können. Dass er direkt in die Reha an den Bodensee geht und dort den Jahreswechsel verbringen muss, ist für ihn das kleinste Problem und sagt mit Blick auf Marcel Bartenbach: „Ich bin unendlich dankbar, dass Du mir das Leben gerettet hast.“


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Seit Beginn der Aktion im September 2017 haben bereits 17 Kurse im Raum Schwäbisch Gmünd stattgefunden. Rund 500 Teilnehmer konnten bislang zu Ersthelfern ausgebildet werden.

Die nächsten Ersthelfer Kurse:

03.01.2018 in Heubach
08.01.2018 Lautern
15.01.2018 Mögglingen
17.01.2018 Bartholomä
27.02.2018 Waldstetten (Großveranstaltung in der Stuifenhalle)

Alle weiteren Kurse können unter www.drk-gd.de eingesehen oder telefonisch bei der Kurshotline 07171/ 3506 91 abgefragt werden.

 
Kliniken Ostalb

Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd
Wetzgauer Straße 85
73557 Mutlangen

 
 
 

Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd - Eine Klinik der Kliniken Ostalb gkAöR und Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm